Etta Scollo
Sizilianische Coolness
Lange dauert es nicht, bis ihre Musik gefangen nimmt. Etta Scollo weiß die emotionale Ebene beim Zuhörer zu treffen. Sie selber ist ja eine Frau, die pure Emotionen in Töne und Texte umsetzt. Ihre Musik zwischen Pop, Jazz, sizilianischer Tradition und Kammerklang klingt vor allem ehrlich. Ihr neues, viertes Album «Casa» ist voller Melancholie und trotzdem wieder ein lebensbejahendes Werk geworden.
«Melancholie darf man nicht mit Traurigkeit verwechseln», sagt Etta Scollo bestimmt. «Sie hat auch nichts mit Depression zu tun. Für mich ist die Melancholie eine Art Sehnsucht, die motiviert, aktiv zu werden. Es ist wie eine positive Trauer, wie etwas euphorisch Stilles, ein Glück, das nicht tobt, sondern einfach still ist. So bin ich auch als Mensch – und die Melancholie fördert mich in meiner Kreativität.» Man merkt im Gespräch mit Etta Scollo rasch, dass sie eine ungewöhnliche Frau ist. Die Sängerin aus Catania in Sizilien ist eine nachdenkliche Künstlerin, die früh feststellte, dass sie irgendwie anders ist. «Mit 18 musste ich einfach von Sizilien weg. Das war ein Instinkt in mir. Ich habe mich immer als Einzelgängerin empfunden, auch wenn ich in einer großen Familie aufgewachsen bin. Aber im Rahmen meiner Familie habe ich immer versucht, mich zu isolieren. Wenn ich alleine war, konnte ich schreiben, träumen, Gitarre spielen.» Etta Scollo zog nach Turin. Tagsüber arbeitete sie im Fiat-Werk, nachmittags und abends studierte sie Architektur. Bis zum Nervenzusammen- bruch. «Da habe ich mit dem Arbeiten und dem Studium aufgehört und mich für die Musik entschieden.» Nächste Station war Wien. «Ein Zufall», lacht die Italienerin. «Ich habe auf einer Tournee mit meiner damaligen Band einen Pianisten aus Wien kennengelernt und mich sofort in ihn verliebt. Also bin ich dorthin und habe am Konservatorium Operetten- und Jazzgesang studiert.» In Österreich hatte sie auch mit einer italienischen Version das Beatles-Songs «Oh Darling» einen echten Hit. «Lange her», schmunzelt Etta Scollo. Mittlerweile lebt sie im Hamburger Schanzenviertel, gerne und freiwillig. Aber richtig zu Hause fühlt sie sich woanders: «In der Musik und in der Kultur liegt meine Helmat.»