Mediterrane Melancholie
JÖRG A. NOLL
Liedermacherin Etta Scollo begeisterte im Tivoli
Kleine Frau im großen Theater. Eine Liedermacherin aus Sizilien, mit solidem Sextett, mit rauer, wandlungsfähiger Stimme, mit charmanten Conférencen, mit enormer Verführungskraft, dunklen Augen und mediterraner Melancholie. Etta Scollo im Tivoli. Ein wunderbares Persönchen, das alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, eine Bereicherung für jede Bühne, ein famoses Konzert und ein begeistertes Publikum.
Etta Scollo ist in Catania am Fuß des Ätna aufgewachsen. Der Vulkan beherrscht nicht nur Landschaft und Leben, sondern auch die Seele und Musik. Die Geschichten der Scollo berichten vom Leben als eine vergängliche Veranstaltung. Und doch wohnt dem Ganzen ein besonderer Zauber inne, der das Leben auf unwiderstehliche Weise zelebriert. Dieser Zauber wurde im Konzert vorgeführt und auf die neue CD «Casa» gebannt. Meisterlich orchestrierte Popmusik mit Rockelementen, maurischen Merkmalen und traditionellen Weisen.
«Casa» steht für einen Ort, dem man verbunden ist, auch wenn er fern ist: «Dort ist mein Heim, geborgen im Schoß der Melancholie», heißt es im Lied. Obgleich der sizilianische Dialekt der Scollo für die meisten Zuhörer unverständlich gewesen sein dürfte, wirkte der Zauber dennoch. Eine fabelhafte Künstlerin mit faszinierenden Liedern.
erschienen am 23. Sep. 2003 in Hamburger Morgenpost
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